Altersdiskriminierung beenden - Altersgrenzen abschaffen!

von Dr. Walter Döring - Januar 2009

Diskriminierungen jeder Art sind grundsätzlich verwerflich und entschieden abzulehnen. Altersdiskriminierung ist zudem noch besonders töricht und schädlich – vor allem für diejenigen, die diskriminieren, denn die Alten werden gebraucht und gewinnen zunehmend an Bedeutung: Derzeit hat Deutschland ca. 82 Millionen Einwohner. 2050 werden es noch 69 bis 74 Millionen sein, und damit unter der Zahl von 1963 (75 Mio.) liegen. Die Zahl der 60-Jährigen wird 2050 doppelt so hoch sein wie die Zahl der Neugeborenen. Kamen vor 100 Jahren auf einen 75-Jährigen noch 79 Jüngere, so sind es heute nur noch 12,4. Im Jahre 2050 werden es sogar nur noch 5,5 Personen sein, die einem 75-Jährigen gegenüberstehen.

 

In Baden-Württemberg hat mit dem Jahr 2000 demografisch eine neue Zeit begonnen: Erstmals in der Geschichte unseres Landes leben hier mehr ältere (über 60 Jahre) als jüngere (unter 20 Jahren) Menschen. 2050 wird das Durchschnittsalter im „Ländle“ dann bei 49 Jahren liegen!

 

Das hat natürlich Auswirkungen auch auf den Arbeitsmarkt, auf dem man diese älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger dringend benötigen wird, weil die Jungen schlicht nicht zur Verfügung stehen. Die Unternehmen werden sich auf eine deutlich andere Altersstruktur ihrer Belegschaft einstellen müssen, wenn sie erfolgreich bleiben wollen. Auch deshalb muss mit allen offenen und versteckten Formen der Altersdiskriminierung Schluss gemacht werden.

 

Die Enquetekommission des Deutschen Bundestags hält dazu fest:“ Bei vielen älteren Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen tritt eine Häufung von Benachteiligungen auf. Es gilt, die jahrzehntelang geförderte und praktizierte Altersdiskriminierung zu überwinden.“

 

Ein unglaubliches Extrembeispiel von Altersdiskriminierung leistete sich 2006 Ericsson, als es 17000 Mitarbeitern zwischen 35 und 50 Jahren mit attraktiven Angeboten die Kündigung nahelegte – um Platz zu machen für Jüngere! Das Handelsblatt fragte seinerzeit, ob man nun „mit 40 schon befürchten muss, den Ruhestand angeboten zu bekommen“?

 

Nach Angaben des Bundesarbeitsministeriums befand sich im Juli 2007 in der Hälfte aller Betriebe kein Arbeitnehmer über 50 mehr! Wie kurzsichtig und wie diskriminierend!

 

Da sind dann positive Beispiele wie die der Bausparkasse Schwäbisch Hall und der SICK AG in Waldkirch besonders erfreulich: Beide Unternehmen stellen sich u. a. mit lebensphasenorientierter Arbeitszeit, Fortbildungsmaßnahmen und Gesundheitsmanagement darauf ein, ab 2020 einen großen Anteil von Arbeitnehmern mit über 60 Jahren zu beschäftigen.

 

Da wird in Sonntagsreden so vehement der reiche und wertvolle Erfahrungsschatz der Älteren gewürdigt, aber gleichzeitig gibt es noch immer Altersgrenzen für Bürgermeister, Landräte, Ärzte und auch Hochschullehrer. So drohte dem Physik-Nobelpreisträger Theodor Hänsch mit 65 Jahren die Zwangspensionieung. Erst die panische Angst seiner Dienstherren, er werde nach Amerika gehen, weil er dort ohne Altersbegrenzung weiterarbeiten könne, bewegte die zuständigen Behörden zu einer Ausnahmegenehmigung.

 

Eine Gesellschaft, die immer älter wird, kann und darf es sich nicht leisten, Menschen ab einem bestimmten Alter des Platzes zu verweisen und sie aufs Altenteil zu schicken, zumal – wie Frank Schirrmacher, der Verfasser des Bestellers „Das Methusalem Komplott“, sagt – „ die Altersgrenzen, die wir heute im Arbeitsleben setzen, durch nichts legitimiert sind“.

 

Deshalb nochmal: Schluss mit Altersdiskriminierung und den ebenso unsinnigen wie willkürlichen Altersgrenzen!

 

© Dr. Walter Döring



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