Nichts ist so teuer wie das Sparen an Bildung!

von Dr. Walter Döring - Dezember 2009

Nach einer aktuellen Studie der Bertelsmann Stiftung, durchgeführt von dem Bildungsökonomen Professor Dr. Ludger Wößmann, verschenkt Deutschland durch seine große Zahl an unzureichend gebildeten Schülern ein riesiges Wachstumspotential. Die Folgekosten unzureichender Bildung durch entgangenes Wirtschaftswachstum summieren sich dieser Studie des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung im Auftrag von Bertelsmann zufolge innerhalb der nächsten achtzig Jahre – was der Lebenserwartung der heute geborenen Kinder entspricht – auf sagenhafte 2,8 Billionen Euro! Das ist weit mehr als unser heutiges Bruttoinlandsprodukt und entspricht ca. dem 28-fachen der aktuellen Konjunkturpakete. Spätestens diese Studie macht die dringende Notwendigkeit deutlich, das eklatante Problem der weit um sich greifenden unzureichenden Bildung zu lösen.

 

Im Mittelpunkt müssen die sog. „Risikoschülerinnen und –schüler“ stehen, die häufig aus sozial benachteiligten Familien kommen oder aber einen Migrationshintergrund haben. Wenn es nicht endlich gelingt, über Bildung für mehr Chancengerechtigkeit „am Start“ zu sorgen, dann ist weder der gesellschaftliche Zusammenhalt zu sichern, noch die ökonomische Zukunftsfähigkeit zu gewährleisten. Längst ist klar, dass sich Bildung nachhaltig lohnt – sowohl hinsichtlich der gesellschaftlichen Stabilität als auch finanziell.

 

Die Bertelsmann Stiftung sieht in qualitativ guten frühkindlichen Bildungsangeboten und der individuellen Förderung jeden einzelnen Kindes den Schlüssel für eine erfolgreiche Reform und macht in Übereinstimmung mit dem ifo Institut für Wirtschaftsförderung neben dieser Forderung nach besserer frühkindlicher Bildung weitere ganz konkrete Vorschläge: So sollten die „Schwachen gestärkt werden, ohne dabei die Starken zu schwächen.“ Dies bedeutet den klaren Auftrag für das Bildungssystem, jedes Kind individuell zu fördern. Dazu benötigen Erzieherinnen ebenso wie Lehrerinnen und Lehrer neben ihren fachlichen Kompetenzen insbesondere die Fähigkeit, ein guter „Lerncoach“ zu sein, wozu diagnostische, didaktisch-methodische, pädagogische und interkulturelle Kompetenzen sowie Beratungskompetenz gehören.

 

Hinzu kommt die „Übernahme von erweiterter Verantwortung für den Bildungserfolg.“ Schulen sollten grundsätzlich als Ganztagsschulen über den Tag und auch während der Ferienzeit ein Ort des gemeinsamen Lernens sein.

Und schließlich: „Ungleichheit durch Ungleichheit ausgleichen – mehr und wirksamer in Bildung investieren.“ Alle Ebenen – Bund, Länder und Gemeinden – müssen gemeinsam mehr finanzielle Ressourcen für Bildung bereitstellen.

 

Wirksame pädagogische Arbeit erfordert eine bedarfsorientierte Verteilung der finanziellen Ressourcen. Mittel müssen verstärkt dort eingesetzt werden, wo die Herausforderungen am größten sind. Wenn Ressourcen mit der Gießkanne verteilt werden, können Ungleichheiten von Bildungseinrichtung zu Bildungseinrichtung nicht ausgeglichen werden. Als Voraussetzung für eine solche indikatorengesteuerte Mittelverteilung sind Informationssysteme zu entwickeln, die Investitionsbedarfe und Wirkungen transparent machen.

 

Dr. Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung ist zuzustimmen, wenn er ausführt: „ Bildung ist eine langfristige und nachhaltige Investition in die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft. Jede weitere Verzögerung von wirksamen Reformen ist teuer.“

 

Und man möchte hinzufügen: Nichts kommt uns teurer zu stehen, als das Sparen an Bildung!

 

© Dr. Walter Döring



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