Energieriesen haben sich verrechnet - aber es gibt eine Lösung!

von Dr. Walter Döring - August 2010

Es ist gerade zehn Jahre her, da wurden der damalige baden-württembergische Ministerpräsident Erwin Teufel und ich als sein Stellvertreter quasi während unserer Bemühungen um die Zukunft des Kernkraftwerksstandorts Neckarwestheim von der Nachricht überrascht, dass sich die Vorstandsvorsitzenden der „großen Vier“ – E.ON, RWE, Vattenfall und EnBW - mit dem damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder und dessen Umweltminister Jürgen Trittin dahingehend verständigt hatten, die Laufzeiten von „ihren“ Kernkraftwerken zu begrenzen; kurz: Sie hatten den Ausstieg aus der Kernenergie beschlossen.

 

Wahrscheinlich – wie damals bei Schröder bei wichtigen Entscheidungen üblich – bei Rotwein und Zigarren. Kaum beschlossen, kam schon der Katzenjammer, denn nicht viel später begannen sie zu rechnen und stellten fest, dass das, was sie da beschlossen hatten, vielleicht doch nicht ganz so toll, sondern ziemlich teuer für sie war.

 

Nun setzte man die Hoffnung auf einen Regierungswechsel und war sich sicher, dass schwarz/gelb eine Verlängerung der Laufzeiten ganz schnell beschließen und auf den Weg bringen würde; und das ganz ohne Gegenleistung.

 

Und da haben sich die Energieriesen gleich mehrfach verrechnet:

 

  1. Eine Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke stand und steht „selbst bei schwarz/gelb“ nicht ganz oben auf der Agenda und
  2. Ohne Gegenleistung schon gar nicht, siehe Brennelementesteuer – aus meiner Sicht eine fragwürdige Planung – und die Forderung nach hohen Ausgleichszahlungen und
  3. Ein Bundesumweltminister, der die Laufzeit, wenn überhaupt, nur sehr begrenzt verlängern und stattdessen den Erneuerbaren den Vorrang geben möchte und schließlich
  4. 4. Eine Auseinandersetzung zwischen Bundesjustiz- und Bundesinnenministerium: ersteres will zwei Jahre und vier Monate, zweiteres will zehn Jahre und acht Monate an Laufzeitverlängerung. Da soll jetzt eine Anzeigenkampagne die Lösung bringen!

Meine Meinung: Schon wieder verrechnet. Die Bundesregierung hat unmissverständlich klargestellt, dass hier kein Vertrag - wie in dieser Anzeige gefordert - zwischen den Konzernen und der Politik möglich ist, sondern dass eine gesetzliche Regelung erforderlich ist, also der Bundestag entscheiden muss – und evtl. zusätzlich der Bundesrat, in dem schwarz/gelb bekanntlich nicht die Mehrheit hat.

 

Klaus Stratmann kommentierte im „Handelsblatt“: „In der Diskussion über die Zukunft der Kernkraft geben weder die Regierung noch die Branche ein gutes Bild ab. Eine Wende zum Besseren ist daher nicht zu erwarten.“ Leider richtig, dabei wäre eine Lösung gar nicht so schwer: Die Laufzeiten werden um acht Jahre verlängert, die Energieriesen geben die Hälfte ihrer daraus resultierenden Gewinne ab, die fließen in die Erforschung und Nutzung der erneuerbaren Energien, und alle haben gewonnen: Die Verbraucher, weil die Energiekosten nicht ins Unermessliche steigen müssen, die Energieriesen haben längere Laufzeiten, die Erneuerbaren bekommen das für ihre Weiterentwicklung dringend benötigte Geld, und die Regierung hat einen vernünftigen Kompromiss in einer für unser aller Wohlstand und Sicherheit entscheidenden Frage gefunden.  

 

© Dr. Walter Döring



Döring's Blog: Energieriesen haben sich verrechnet!
Döring’s Blog – August 2010 - Energierie[...]
PDF-Dokument [185.5 KB]

Kontakt

Für Terminvereinbarungen
und Anfragen erreichen Sie uns unter


E-Mail

 

Nutzen Sie auch gerne unser

 

Kontaktformular

Döring's Blog

Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen

© 2017 Dr. Walter Döring Consulting