Nein: Früher war nicht alles besser!

von Dr. Walter Döring - Mai 2010

Die Gesellschaft wird älter und damit zusammenhängend die „Rückerinnerungszeiten“ deutlich länger, was häufig zu einer reichlich euphemistischen Erinnerung an die Vergangenheit führt und diese ziemlich in die Richtung verklärt: Früher war alles besser! Wirklich? Gehen wir doch mal zurück in diese „besseren“ Zeiten: Es ist so lange noch nicht her – fragen Sie Ihre Eltern und Großeltern! - dass Kriege zu der ganz „normalen“ Lebenserfahrung eines jeden Einzelnen gehörten.

 

Für die ab 1945 Geborenen ist Frieden der Normalzustand; die längste Friedenszeit in unserer Geschichte! Und wir leben nicht mehr in absolutistischen oder wilhelminischen Zeiten und auch nicht mehr in Diktaturen, sondern in Freiheit und Demokratien! Oder nehmen Sie die medizinische Versorgung!

 

Wiederum gilt: Fragen Sie die Älteren nach deren Erfahrungen z. B. beim Zahnarzt; au Backe! Oder die Ernährung: Von fast der Hälfte dessen, was heute die Obst- und Gemüsestände zu bieten haben, haben unsere Eltern und Großeltern nichts gekannt. Oder die körperliche Schwerarbeit, die für Jahrhunderte das Arbeitsleben kennzeichnete und mitverantwortlich war für kurze Lebenszeiten. Goethe wurde im Alter von 55 Jahren mit „ehrwürdiger Greis“ begrüßt – heute liegt die allgemeine Lebenserwartung um die 30 Jahre höher! Oder denken Sie mal an die Menschen, die keine Arbeit hatten: Sie fanden keine staatliche Unterstützung in einer Höhe, die selbst von denen, die in Arbeit, aber am unteren Ende der Einkommensskala sind, kaum erreicht werden, wie dies heute der Fall ist. Oder lenken Sie mal kurz einen Blick auf die Bildungschancen: Früher lag das Gymnasium für über 90% der Bevölkerung in unerreichbarer Ferne, während heute mehr als ein Drittel eines Jahrgangs studiert und damit beste Chancen für den Start ins Berufsleben hat Und trotz alledem hören wir immer wieder das Klagen, dass „die gute alte Zeit“ besser war.

 

Michael Miersch, Dirk Maxeiner und Josef Joffe halten mit ihrem neuen Buch „Früher war alles besser: Ein rücksichtsloser Rückblick“ eindrucksvoll und mit überzeugendem Daten- und Faktenmaterial dagegen: „ Nahezu alle Kennzahlen, an denen man Lebensqualität messen kann, sehen heute besser aus als vor 25, 50 oder 100 Jahren. Die Lebenserwartung ist weltweit drastisch gestiegen, die Kindersterblichkeit gesunken. Die Zahl der Analphabeten nahm rapide ab, die der Demokratien hat sich mehr als verdreifacht. Die Vereinten Nationen stellten fest, dass in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts die weltweite Armut stärker zurückgegangen ist als in den 500 Jahren zuvor. Sogar die Zahl der Kriegsopfer ging weltweit zurück, trotz Irak und Afghanistan. In einem Satz: es lebte sich früher deutlich ungemütlicher und gefährlicher.“

 

Natürlich gibt es heutzutage jede Menge „Aufreger“, die dann mächtig „aufgeblasen“ werden und das Bild und den Blick auf die Realität verdunkeln: Da waren das Waldsterben, die Bevölkerungsexplosion, das vergiftete Essen, die Klimakatastrophe und der Rinderwahnsinn. All das ließ manche von der „guten alten Zeit“ träumen.

 

Aber mal ehrlich: Was ist aus diesen „Katastrophen“ geworden? Zum Glück nicht der Weltuntergang! Vielleicht ja auch deshalb nicht, weil wir im Gegensatz zu früher heute die Mittel und das Wissen haben, besser, weil Problem lösender damit umzugehen. Freuen wir uns doch, dass es uns heute in vielen ganz entscheidenden Bereichen viel besser geht als in den „guten alten Zeiten“!

 

© Dr. Walter Döring



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