Horst Köhler - ein Bundespräsident dankt ab

von Dr. Walter Döring - Juni 2010

Es war zu Beginn des Jahres 2004, als ich einen überraschenden Anruf von Horst Köhler entgegennehmen durfte: „Hier Horst Köhler. Ich darf, soll und will gerne Bundespräsident werden. Deshalb möchte ich mich gerne Ihrer Fraktion und Ihrem Landesvorstand vorstellen.“ So unkompliziert, freundlich und offen haben wir Horst Köhler dann bei mehreren seiner Vorstellungsrunden kennengelernt. Er überzeugte durch seine Weltoffenheit, seine überragende Kompetenz in allen Wirtschafts- und Finanzfragen und er gewann unser aller Sympathien, da er „menschlich super rüberkam“.

 

Aus voller Überzeugung und mit großer Erwartung habe ich Horst Köhler am 23. Mai 2004 in der Bundesversammlung mit vielen anderen zusammen zum Bundespräsidenten gewählt. Noch am selben Abend kam er zusammen mit seiner Frau auf das Schiff der FDP Wahlfrauen und Wahlmänner, die den Abend mit einer Spreerundfahrt in angenehm – guter Stimmung und im Beisein eines gelösten, freundlichen und mit seinem erfrischenden Lachen alle positiv ansteckenden Horst Köhler ausklingen ließen. Wir erlebten ihn während seiner ersten Amtszeit noch bei einer ganzen Reihe von persönlichen Begegnungen und Beobachteten unser Staatsoberhaupt auch sonst mit Stolz und Freude, denn er zeigte sich als ein glänzender Repräsentant unserer Bundesrepublik Deutschland.

 

Umso größer der Schock, das Entsetzen und die Überraschung, als derselbe Horst Köhler nun aschfahl und ohne auch nur eine Spur seiner sonst so gewinnenden Wesens zeigend am 31. Mai 2010 seinen Rücktritt erklärte – „mit sofortiger Wirkung.“ Als Begründung gab er Kritik an seinen Äußerungen zu Bundeswehreinsätzen an, die seiner Meinung nach die Würde seines Amtes verletzten. Die medialen Reaktionen waren heftig und teilweise persönlich geradezu vernichtend. Die Financial Times Deutschland titelte „Fahnenflüchtig“. Viele Kommentatoren schrieben nicht ganz zu Unrecht, dass ein Bundespräsident nicht zurücktritt, es sei denn, er ist schwer krank oder es gibt vergleichbare persönliche Gründe. Brutal kommentierte Jacques Schuster in der WELT am 2. Juni 2010: „Der Loste geht von Bord – und wie er geht: ichsüchtiger und wehleidiger geht es nimmer!“

 

Man muss nicht, und so schon gar nicht, nachtreten, aber enttäuschend ist und bleibt die Art des Rücktritts von Horst Köhler schon. Der angegebene Grund reicht für einen Rücktritt eines Bundespräsidenten wirklich nicht aus! Denn auch Bundespräsidenten müssen in einer Demokratie Kritik ganz selbstverständlich aushalten, selbst wenn sie in verletzender Form vorgetragen wird, wie dies Herr Trittin meinte tun zu müssen, als er Köhler vorwarf, den Boden des Grundgesetzes verlassen zu haben.

 

Aber trotzdem: Da muss mehr gewesen sein! Was veranlasst einen über viele Jahre erfolgreichen Bundespräsidenten, das höchste Amt im Staate Knall auf Fall hinzuwerfen? Die Antwort hierauf hätten vor allen Dingen all die gerne, die ihn aus Überzeugung gewählt haben und auch alle die, die ihn mochten; immerhin 75% der bunderepublikanischen Bevölkerung!

 

Und so bleibt und ist Horst Köhler ein Mann mit glänzendem Start, hervorragender erster Amtszeit, hoher Kompetenz und höchster persönlicher Zustimmung, aber auch ein Mann mit ebenso rätselhaftem wie enttäuschendem Abgang.

 

© Dr. Walter Döring



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