Kinderarmut - auch ein Thema für Baden-Württemberg!

von Dr. Walter Döring - März 2010

Eine vom Steinbeis-Institut für angewandte Sozialwissenschaften vorgelegte Studie zeigt es deutlich: Die Armut in der Bundesrepublik Deutschland und auch in Baden-Württemberg hat sich verändert. Sozialwissenschaftler sprechen seit geraumer Zeit schon von einer „Infantilisierung der Armut“, denn zunehmend sind Kinder von einer neuen Qualität von Armut betroffen.

 

Die Studie „Menschen hinter den Zahlen“ wurde von verschiedenen Caritas-Verbänden mit dem Ziel in Auftrag gegeben, das Ausmaß und die Auswirkungen von Kinderarmut in Baden-Württemberg zu untersuchen. Bei dieser Studie steht nicht allein der Mangel an finanziellen Mitteln im Fokus der Betrachtungen, sondern vielmehr auch die Frage, in wieweit Kinder aufgrund eines Mangels an lebensnotwendigen Gütern, Einkommen, Handlungsspielräumen und/oder Entwicklungschancen in der Verwirklichung ihrer Lebensentwürfe benachteiligt und von der Teilhabe an unterschiedlichen gesellschaftlichen Funktionssystemen ausgeschlossen sind.

 

Deutlich wird, dass sich in unserem reichen Bundesland Baden-Württemberg Armutslagen verdichten: So leben in 5 Städten mehr als 15% der Kinder von Geburt bis unter ihre Volljährigkeit in sogenannten Bedarfsgemeinschaften. Mannheim liegt mit 23% an der Spitze. Ein wesentliches Ergebnis ist außerdem, dass das Armutsrisiko steigt, je jünger die Kinder sind: So leben zu Beispiel in Mannheim nahezu 28% der Vorschulkinder in Familien mit Arbeitslosengeld-II-Bezug; im Landesdurchschnitt sind es 12%. Dies bedeutet, dass in unserem Land Baden-Württemberg jedes 8. Kind unter 7 Jahren in einer Familie lebt, die auf staatliche Transferleistungen angewiesen ist.

 

Hinsichtlich kognitiver Entwicklung, Bildung und Lernen finden sich in den Studienergebnissen Erklärungen für die häufig verheerenden Bildungsbiografien armer Kinder. Dabei tritt der Mangel an fundamentalen Entwicklungsmöglichkeiten vor allem gegen Ender der Grundschulzeit offen zu Tage, insbesondere dann, wenn es um das Interesse der Erwachsenen an schulischen Belangen und die notwendige Unterstützung der Kinder beim Lernen geht. Armen Kindern sind entsprechende Bildungswege tendenziell verschlossen; je älter die Kinder, umso mehr wird von Schulproblemen und innerfamiliären Auseinandersetzungen berichtet.

 

Die Verantwortung, so Professorin Dr. Susanne Schäfer-Walkmann in ihrem Bericht zu dieser Studie, für die Begleitung der kindlichen Lernprozesse wird häufig auf externe Institutionen übertragen. Diese Faktoren wirken sich prägend auf die weitere schulische, berufliche und persönliche Entwicklung armer Kinder aus. Diese erleben schon früh gesellschaftliche Ausgrenzung und Zugehörigkeit zu einer unteren, benachteiligten gesellschaftlichen Schicht, die zeitlebens kaum mehr verlassen wird. Schlimm ist auch die Tatsache, dass öffentliche Kultureinrichtungen auffällig selten genutzt werden. Gemeinsame Familienaktivitäten sind ebenso rar. Der Sozialraum wird kaum verlassen, und die Tage verlaufen weitgehend in stupider Gleichförmigkeit.

 

Arme Kinder, die einen fundamentalen Mangel an der Entwicklung stabiler Persönlichkeitsfaktoren erleiden, brauchen dringend unser aller Solidarität. Armut von Kindern und ihren Familien ist eine Herausforderung für unsere gesamte Gesellschaft. Gerade junge Menschen sind extrem gefährdet, ein Leben lang in ihrer Armutslage zu verharren. Es geht also entschieden darum, dafür Sorge zu tragen, dass Einkommensarmut nicht zu Armut an den Entwicklungschancen der Kinder wird.

 

Professorin Dr. Susanne Schäfer-Walkmann: „Es ist an der Zeit, die ebenso dramatischen wie skandalösen Entwicklungen als besondere Problematik heutiger Kinderarmut deutlich und präzise zu benennen, im politischen Raum zu kommunizieren und entsprechende Forderungen an die politisch Verantwortlichen und an die Öffentlichkeit zu stellen.“

 

Dem ist ebenso zuzustimmen wie dem Direktor des Center on Capitalism an Society, Edmund Phelps, der ausführt: „wir können es uns nicht leisten, große Teile der jungen Generation durch eine aus Armut resultierende langanhaltende Arbeitslosigkeit zu verlieren.

 

© Dr. Walter Döring



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