Pflegekräfte brauchen mehr Anerkennung!

von Dr. Walter Döring - September 2010

Eine Studie des Deutschen Instituts der Wirtschaft (DIW) hat in diesen Tagen aufhorchen lassen: Bis 2020 fehlen 230 000 Vollzeitstellen in der Altenpflege. Hinzu kommt nach einer Untersuchung des Darmstädter Wifor-Instituts ein Bedarf von 140 000 Vollzeitstellen im Krankenhaussektor. Zusammen genommen sind also bis 2020, im Grunde also „bis übermorgen“, 370 000 Stellen im Pflegebereich zu besetzen. Zurückgeführt wird dieser enorme Bedarf natürlich auf den demografischen Wandel, d.h. die zunehmende Zahl älterer Menschen und die daraus resultierende vermehrte Behandlungsbedürftigkeit. Schon heute hat die gesamte Pflegebranche mit einer Million die meisten Beschäftigten; Tendenz weiterhin stark steigend.

 

Das deutsche Pflegesystem ist schon lange auf Hilfskräfte aus Osteuropa angewiesen, und diese Tatsache droht sich zu einer regelrechten Abhängigkeit auszuweiten. So arbeiten heute nach verlässlichen Schätzungen mehr als 100 000 osteuropäische Pflegekräfte, alleine in Baden-Württemberg mehr als 10 000. Legal ist diese flächendeckende Beschäftigung von diesen osteuropäischen Pflegekräften in den allermeisten Fällen nicht, aber Pflegeexperten warnen vor einer konsequenten Anwendung von Recht und Gesetz. „Wenn wir die illegal beschäftigten Osteuropäer ausweisen, dann Gnade uns Gott“, sagt Pflegeexperte Claus Fussek in der Welt am Sonntag.

 

Und der Bedarf steigt auch deshalb, weil die heutigen Familienstrukturen – Ältere, die keine Kinder haben, gestiegene Scheidungszahlen und mehr und mehr berufstätige Frauen – keine familiäre Pflege mehr „hergeben“. -

Norbert Wallet führte am 26. Oktober 2010 in den Stuttgarter Nachrichten dazu aus: „Obwohl die Alterung der Gesellschaft seit Jahrzehnten absehbar war, werden wir jetzt erst wach. Jetzt, da uns schockartig klar wird, dass die Zahl der Pflegebedürftigen in den nächsten 15 Jahren auf drei Millionen hochschnellen wird. Und nun erst dämmert es uns, dass für die vielen Pflegefälle gar nicht genug Personal da ist, schon gar kein gut ausgebildetes.“

 

Da erklingt nun sehr laut der Ruf nach Zulassung von Zuwanderung von noch viel mehr Pflegepersonal aus dem osteuropäischen Ausland. Aber Zuwanderung alleine ist auch hier kein Allheilmittel. Zuerst sind die heimischen Potentiale zu erschließen. Das bedeutet auch, für attraktive Ausbildungswege zu sorgen, für den Pflegeberuf zu werben und gute Arbeit auch gut zu entlohnen.

Kurz: Wenn wir für und in unserer älter werdenden Gesellschaft mehr heimisches, deutsches Pflegepersonal haben wollen, so müssen wir den Pflegenden endlich die hohe Anerkennung zuteil werden lassen, die sie für ihre schwere und wertvolle Arbeit verdienen, und nicht zuletzt muss die Anerkennung auch materiell erfolgen: Diese Arbeit muss besser bezahlt werden!

 

© Dr. Walter Döring



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