Und jetzt ist China auch noch Bildungsweltmeister!

Dr. Walter Döring - Juni 2011

Die jüngste Pisa-Studie hat als Ergebnis festgehalten, dass Deutschland trotz spürbarer Fortschritte noch immer im Mittelfeld verharrt, China aber jetzt auch noch „Bildungsweltmeister“ ist: Das ostasiatische Bildungssystem hat die neue Pisa-Studie dominiert. Shanghai, Honkong und Südkorea belegen die ersten Plätze. Konkret: Im Lesen liegen Shanghai, Südkorea, Finnland, Hongkong und Singapur auf den vorderen fünf Plätzen, Deutschland nur knapp unterdurchschnittlich im Mittelfeld. In Mathematik lautet die Reihenfolge: Shanghai, Singapur, Hongkong, Südkorea, Finnland mit Deutschland leicht über dem Durchschnitt wieder im Mittelfeld. In den Naturwissenschaften belegen Shanghai, Finnland, Hongkong, Japan und Südkorea die Plätze eins bis fünf. Auch hier hat Deutschland einen Wert über dem Durchschnitt, bleibt aber trotzdem im trüben Mittelfeld hängen.

 

Anderen Ländern gelingt es offensichtlich seit Jahren besser, ihre Schülerinnen und Schüler sehr gut auszubilden und damit das dringend benötigte Fachkräftepotential heranzubilden. In Asien, speziell in China, geht es nicht alleine um die Sicherung der Fachkräfte von morgen, sondern es kommt als weitere Motivation aus dem Elternhaus, das sich für die Ausbildung der Kinder aufopfert und spart, was zu sparen geht, hinzu, dass die top ausgebildeten Jungen dann einmal für die vielen Alten sorgen sollen.

 

Die Financial Times Deutschland hielt hierzu fest: „ Nun müssen die Deutschen nicht gleich alles den Pisa-Gewinnern nachmachen. In der Spitzengruppe sind mit China und Japan zum Beispiel zwei Länder, in denen Schüler unter enormen Erfolgsdruck gesetzt und so autoritär getriezt werden, dass die Fähigkeit zu eigenständigem Handeln verkümmert. Aber auch liberale Staaten wie Finnland und Kanada stehen weit vor Deutschland.“

 

Eine weitere Beobachtung, die überhaupt nicht neu ist, belastet das deutsche Bildungssystem: Noch immer bestimmt die soziale Herkunft der Kinder die Bildungskarriere: Ein Akademikerkind hat nach wie vor weitaus bessere Aussichten auf das angestrebte Abitur als Zugangsberechtigung zu „höheren“ Berufen und höherem Einkommen als ein gleich begabtes Arbeiterkind, ganz zu schweigen von Kindern aus Migrantenhaushalten. Das ist und bleibt ein Armutszeugnis für die sich so offen und liberal gebende bundesrepublikanische Gesellschaft – und erst Recht für alle Bildungspolitiker egal welcher politischer Farbenlehre.

 

Und dies bleibt auch ein Versäumnis der Kommunalpolitik, die allzu oft Mittel auf die Schulen in die sogenannten besseren Viertel verteilt, weil dort die kritikfreudigen wechselwählenden Bildungsbürger wohnen, wohingegen dann eher dort gespart wird, wo mehr Mittel und bessere Ausstattungen dringend nötig wären: In den betreuungsintensiven Hauptschulen in Hartz-IV-Brennpunkten.

 

Und nicht zuletzt sollten Fehler bei der Beurteilung der Arbeit derer korrigiert werden, die tag für Tag dafür sorgen sollen, dass die Kinder was lernen und gut ausgebildet werden: Lehrer, Ausbilder und auch Sozialarbeiter rangieren bei uns auf der „Werte- und Anerkennungsskala“ kurz vor den Straßenfegern und Fernfahrern – in Asien gehören sie dagegen zu den angesehensten Berufsgruppen, weil sie mit denen zu tun haben, die unsere Zukunft gestalten sollen: mit unseren Kindern.

 

© Dr. Walter Döring



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