Wir brauchen eine schwarz-rot-gold Karte!

Die neuesten Zahlen des „Internationalen Migrationsausblickes“ der OECD zu den Migrantenbewegungen belegen seit längerem, dass Deutschland weltweit ein beliebtes Land ist, und dass sich das „German Jobwunder“ herumgesprochen hat: Die Einwanderungszahlen nehmen kontinuierlich zu: In Deutschland war der Anstieg der Einwandererzahlen so hoch wie in kaum einem anderen Land. Knapp 300 000 kamen 2012, 68 000 mehr als 2010.

 

Nun wird es wieder welche geben, die meinen, dass dies doch jetzt reiche. Stimmt aber nicht: Deutschland hat im Vergleich zu den anderen OECD-Staaten noch Nachholbedarf: Gemessen an der Gesamtbevölkerung liegt die Neuzuwanderung nach Deutschland mit knapp 0,4 Prozent trotz des Anstiegs noch immer unter dem OECD-Durchschnitt von 0,6 Prozent. Erfreulich ist für Deutschland aber die Tatsache, dass die zu uns Einwandernden immer besser qualifiziert sind, was gut für unsere Firmen ist, und gut ist auch: sie füllen unsere Sozialkassen, da sie mehr in diese einbezahlen als sie herausbekommen. Der Grund dafür: Die jungen qualifizierten Neuankömmlinge zahlen mehr an Steuern und Sozialabgaben ein als sie entnehmen.

 

Aber leider belegen die Zahlen der OECD auch, dass die gut ausgebildeten Zuwanderer nicht lange bei uns bleiben: Die wenigsten Neuzuwanderer bleiben länger als ein Jahr. Da gibt es viele Gründe dafür: Viele kommen, um nach einem Aufenthalt hier auch wieder in ihre Länder zurückkehren zu können; in der Hoffnung, dass sich die Lage dort verbessert. Ein Teil der Rückkehrer geht allerdings auch aus Frust: Es gibt noch immer zu viele bürokratische Hürden, noch immer werden Zuwanderer auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt und noch immer gibt es keine wirkliche Willkommenskultur in Deutschland. Monatelange Verfahren, traditionelle Postwege statt Abarbeitung über das Internet und andere Hürden mehr führen dazu, dass Benjamin Dierks von einem „Anwerbestopp mit Ausnahmen“ spricht.

 

Deshalb fordert die Bertelsmann-Stiftung mit vielen anderen Experten eine „schwarz-rot-gold Karte“ für Einwanderer. Nicht die green card wie in den USA, nicht die blue card, die wir hier haben, sondern die schwarz-rot-gold Karte! Die blue card ist auf ein bis maximal vier Jahre begrenzt; die neue „schwarz-rot-gold“-Karte soll Menschen, die hochqualifiziert sind und / oder Mangelberufe ausüben, eine unbeschränkte Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung gewähren.

 

Wir sind einerseits sehr beliebt in der Welt, verlieren aber andererseits z. B. bei den internationalen Studenten in den vergangenen Jahren trotz des Abbaus einiger weniger Zuwanderungshürden erheblich an Marktanteil. OECD-Experte Klaus Liebig: „Der Wettbewerb um hochqualifizierte Migranten nimmt weiter zu. Vor allem die USA und China sind starke Konkurrenten für Deutschland“. Grund hier: Ausgerechnet die Akademiker unter den Zuwanderern haben es in Deutschland besonders schwer, einen Job zu finden. Das liegt vor allem daran, dass ihre Diplome oftmals bei uns nicht anerkannt werden.

 

Es fehlt an der häufig zitierten „Willkommenskultur“, an einer breiteren Diskussion darüber, wie viel die Menschen aus anderen Ländern für uns leisten können, welche Perspektiven sich für uns „Einheimische“ und die „Neuen“ ergeben – und immer der Hinweis darauf, dass wir das älteste Volk in Europa und nach Japan das zweitälteste in der Welt sind, und deshalb dringend auf Einwanderer angewiesen sind.

 

Die Bertelsmann-Stiftung hat deshalb diesen Vorschlag unterbreitet, mit einer „schwarz-rot-gold“-Karte deutlich zu machen, das wir Deutsche offen sind für Zuwanderer, diese willkommen heißen, ihnen Hindernisse mit niedrigeren bürokratischen Hürden aus dem Weg räumen, ihnen bei Wohnungs- und Arbeitssuche entgegenkommen, sie in unseren Vereinen gerne aufnehmen, ihre Familien in unseren Nachbarschaften integrieren – kurz: Sie mit aller Kraft willkommen heißen und auch zum Bleiben motivieren; und das unter „unserer Flagge: schwarz-rot-gold“!

 

© Dr. Walter Döring

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